Die Straßenzeitung Soziale Welt greift soziale Fragen auf und stellt sie zur Diskussion. Ziel ist es unter anderem, sinnvolle Arbeits- angebote für Obdachlose und Hartz IV-Empfänger zu schaffen. |
Die "Soziale Welt" ist eine Straßenzeitung, die in Frankfurt am Main durch Warum eine Straßenzeitung? Eine Jugendzeitung ist eine Zeitung für die Jugend, eine Frauenzeitung eine für Frauen, aber schon eine Autozeitung wird nicht von Autos gelesen. Eine Straßenzeitung ist nicht etwas, was von Leuten gelesen wird, die auf der Straße leben. Sondern eine Publikation, die für die Interessen der Menschen eintreten, die zeitweise in der Obdachlosigkeit leben oder aus anderen Gründen unterprivilegiert und ausgegrenzt sind. Für diese Menschen bietet die Straßenzeitung eine alternative Lebensgestaltung und die Möglichkeit eines Zusatzeinkommens. Ein Einkommen, das durch eine anerkannte Tätigkeit, nämlich den Verkauf eines werthaltigen Produktes erzielt wird, statt durch Betteln. Derjenige, der sich aus einer schwierigen sozialen Position heraus entschließt, eine Straßenzeitung zu verkaufen, wird nicht nur ein paar Euro mehr in der Börse finden. Er oder Sie wird sich auch einen festen Rhythmus der Arbeit angewöhnen, der nicht von der eigenen Befindlichkeit abhängt, sondern wie im Berufsleben auch fremdbestimmt ist – verkauft werden kann eben nur, wenn Leute auf der Straße sind und nicht dann, wenn man endlich aus dem Bett kriecht und in die Nachmittagssonne blinzelt. Außerdem gewöhnt man sich an eine feste Umgebung und lernt die Leute kennen, die hier immer zu tun haben. Neue soziale Beziehungen entstehen, unter anderem auch zu Stammkunden, die auch einmal ein gutes Wort für die Zeitungsverkäufer haben, wenn sie die aktuelle Ausgabe schon haben. Das funktioniert weltweit: In dem internationalen Netzwerk der Straßenzeitungen sind derzeit 55 Titel aus 28 Ländern in 17 Sprachgruppen vertreten. Oder in Auflagen ausgedruckt: Die Belange der Obdachlosen und Ausgegrenzten werden von 27 Millionen Zeitungen und Zeitschriften vertreten. |
Im Interesse der Ausgegrenzten für sozial engagierte Bürger
So lässt sich unsere redaktionelle Ausrichtung in einer Kurzformel zusammenfassen. Natürlich ist diese Kurzformel nicht allumfassend und bedarf einer weiteren Erläuterung. Dazu gehört, dass die Soziale Welt unabhängig und an keine religiöse oder politische Einrichtung angeschlossen oder angenähert ist. Aber deshalb sind wir wirklich nicht neutral. Wir vertreten die Interessen der Obdachlosen, der physisch und psychisch Kranken, der Armen, der Alten, der Kinder, der Menschen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten. Gegen Regierungen und Verwaltungen, die Mittel und Rechte kürzen, die gängeln und ausgrenzen statt eingliedern, schreiben wir an. Versagen, Schwindeleien, arglistige Täuschung, die Beraubung der Ärmsten ist das, was Politiker und Verwaltungsköpfe immer wieder tun, nicht nur bei der Hartzreise. Journalisten und Zeitungen berichten darüber, wir kämpfen dagegen. Und das ist versprochen: Der grobe Keil für den groben Klotz der sozialen Ungerechtigkeit wird weiter geliefert.